Warum ich glaube, dass Teile der SEO-Branche das Internet gerade mit KI-Slop fluten
Ich beobachte diese Entwicklung jetzt schon eine ganze Weile. Und je länger ich sie sehe, desto mehr macht sie mich traurig.
Nicht, weil ich KI verteufele. Das wäre zu einfach. Ich nutze sie selbst. Ich halte sie für ein starkes Werkzeug. Aber ich sehe gerade an vielen Stellen, wie Verantwortung aus der täglichen Arbeit verschwindet. Und genau das finde ich problematisch.
Für mich ist KI kein Ersatz für gute SEO-Arbeit. Sie verstärkt nur das, was ohnehin schon da ist. Wenn Anspruch, Erfahrung und ein echter Blick aufs Unternehmen dahinterstehen, kann daraus richtig gute Arbeit entstehen. Wenn genau das fehlt, wird derselbe Müll einfach nur schneller, günstiger und in größerer Menge produziert.
Was mich wirklich an KI-Slop stört
Was mich daran am meisten beschäftigt, ist nicht nur die Austauschbarkeit. Es ist die Entwertung guter SEO-Arbeit.
Wir tragen mit dem, was wir veröffentlichen, eine echte Verantwortung. Natürlich nicht alleine. Aber wir sind ein Teil davon. Wir entscheiden mit, was online geht, welche Inhalte eine Marke nach außen tragen und welche Informationen Nutzer am Ende lesen. Genau deshalb macht es mich ehrlich gesagt fassungslos, wie zufrieden manche inzwischen mit Mittelmaß sind.
Standard scheint oft schon genug zu sein. Hauptsache, es geht schnell. Hauptsache, es sieht nach Output aus. Hauptsache, man kann dem Kunden am Ende ein paar Rankings zeigen. Aber Standard sollte nicht der Anspruch sein. Vor allem nicht in einem Beruf, der eigentlich von Qualität, Einordnung und Relevanz leben müsste.
Woran ich merke, dass etwas kippt
Ich sehe immer häufiger Seiten, auf denen plötzlich ein Blogbeitrag nach dem anderen erscheint. Zwei oder drei an einem Tag, manchmal Woche für Woche in einer Schlagzahl, bei der man sich nur denkt: Das kann so gar nicht sauber entstanden sein.
Vorher lag der Blog monatelang brach. Dann kommt auf einmal Content im Akkord. Und selbst wenn jemand neu eingestellt worden wäre, würde gute Arbeit in der Regel nicht so aussehen. Man merkt einfach, wenn da nicht mehr ernsthaft gedacht, sondern nur noch produziert wird.
Dazu kommt die Sprache. Viele Texte lesen sich glatt, aber leer. Formal ordentlich, aber ohne Tiefe. Da steht dann viel, aber am Ende eben nichts, was nicht schon vorher in den Suchergebnissen rauf und runter erzählt wurde. Und sobald es um echte Erfahrung, echte Einschätzung oder um die Handschrift einer Marke geht, bricht das Ganze in sich zusammen.
Man erkennt es oft schneller, als manche denken. Am Wording. An typischen Formulierungen. An Sätzen, die menschlich klingen sollen, aber nie wirklich menschlich gedacht wurden.
Das Problem betrifft nicht nur Blogs
Was mich dabei fast noch mehr stört: Es bleibt ja nicht beim Blog.
Dasselbe passiert auf Produktseiten, Kategorieseiten, in Ratgebern, in Servicetexten und im Grunde an jedem Touchpoint, an dem ein Unternehmen digital mit Menschen spricht. Und genau da wird es gefährlich.
Denn wenn die Inhalte an all diesen Stellen nur noch generisch erzeugt, weichgespült und ungelesen veröffentlicht werden, dann wird nicht nur ein einzelner Text schlecht. Dann wird die Marke nach und nach unglaubwürdig.
Vertrauen wird gerade leichtfertig verspielt
Für mich ist Vertrauen im Internet eine Währung. Vielleicht sogar die wichtigste.
Einer Website, der ich nicht glaube, vertraue ich auch als Marke nicht. Und bei einer Marke, die überall gleich austauschbar klingt, frage ich mich irgendwann automatisch, wie sorgfältig sie an anderen Stellen arbeitet. Gerade im E-Commerce ist das nicht nebensächlich. Eine Seite, die nicht glaubwürdig wirkt, verkauft schlechter. Und sie bindet auch schlechter.
Dazu kommt noch etwas: Wir bewegen uns gerade ohnehin in eine Zeit, in der organischer Traffic nicht mehr selbstverständlich zunimmt. AI Overviews, veränderte Suchgewohnheiten und die Entwicklung von LLMs sorgen dafür, dass Sichtbarkeit allein als Kennzahl immer schwächer wird. Wenn künftig weniger Menschen direkt auf Websites landen, dann wird das, was dort ankommt, umso wertvoller.
Dann reicht es eben nicht mehr, gefunden zu werden. Dann muss man auch glaubwürdig sein.
Und genau dieses Vertrauen wird gerade an vielen Stellen verspielt, nur weil es kurzfristig bequem ist.
Rankings sind kein Beweis für gute Arbeit
Was ich in dem Zusammenhang immer schwierig finde: Viele rechtfertigen das Ganze damit, dass die Inhalte ja ranken.
Klar, tun sie vielleicht. Aber nur weil etwas rankt, ist es noch lange nicht gut. Und schon gar nicht wirtschaftlich sinnvoll.
Ich finde, das ist einer der größten Denkfehler im SEO überhaupt. Wenn Inhalte Sichtbarkeit aufbauen, aber der Marke schaden, Vertrauen abbauen oder komplett am eigentlichen Geschäft vorbeigehen, dann ist das kein Erfolg. Dann sieht nur eine Zahl für einen Moment hübsch aus.
Und genau damit wird es gefährlich. Denn Unternehmen sehen Rankings, vielleicht auch mal Impressionen oder ein paar Klicks, aber merken gar nicht sofort, dass die Inhalte ihnen in Wahrheit nichts Nachhaltiges bringen. Kein echtes Vertrauen. Keine starke Marke. Keine klare Positionierung. Im schlimmsten Fall nicht einmal wirtschaftlich sinnvolle Anfragen.
Der Schaden trifft am Ende auch gute SEO-Arbeit
Das ist für mich auch der Punkt, an dem es nicht mehr nur um einzelne schlechte Texte geht.
Wenn Unternehmen lange mit Content versorgt werden, der nach außen gut aussieht, aber unterm Strich keine Substanz hat, verlieren sie irgendwann das Vertrauen in SEO insgesamt. Dann heißt es später wieder: SEO hat uns nichts gebracht.
Und die, die sauber arbeiten, dürfen dieses Misstrauen dann ausbaden. Das macht mich ehrlich gesagt wütend. Weil wir uns damit als Branche an vielen Stellen selbst schaden.
Warum die Ki-Flut gerade so stark zunimmt
Ich glaube schon, dass wirtschaftlicher Druck dabei eine große Rolle spielt.
Die Lage ist angespannt. Viele Agenturen und Unternehmen wollen effizienter werden, Prozesse beschleunigen und mit weniger Aufwand mehr liefern. Das ist erstmal nachvollziehbar. Aber genau da kippt es eben schnell. Wenn Output wichtiger wird als Qualität, wenn Marge wichtiger wird als Verantwortung und wenn schöne Reports wichtiger werden als echte Wirkung fürs Unternehmen, dann läuft etwas schief.
Und ja, ich glaube auch, dass es einige schwarze Schafe gibt, denen ziemlich egal ist, ob organische Sichtbarkeit am Ende auch Umsatz bringt. Hauptsache, man kann eine Top-10-Platzierung zeigen. Hauptsache, es sieht nach Aktivität aus. Hauptsache, der Kunde merkt nicht sofort, dass er da gerade vor allem Masse bezahlt.
Für mich ist das keine gute SEO-Arbeit. Für mich ist das einfach schlechter Standard mit hübscher Verpackung.
Wo KI für mich sinnvoll ist und wo eben nicht
Ich bin überhaupt nicht gegen KI in der Content-Arbeit. Im Gegenteil. Ich finde, man kann damit sehr gut arbeiten, wenn man weiß, was man tut.
Ich lasse mich selbst unterstützen. Ich lasse Texte prüfen, hinterfragen, ergänzen, schärfen. Ich gehe in den Dialog. Ich nutze KI da, wo sie mir hilft, Gedanken besser auszuarbeiten oder Lücken zu finden. Aber ich gebe nicht die Verantwortung ab. Ich übernehme nicht blind. Ich kopiere nichts ungelesen in eine Seite, nur weil es auf den ersten Blick ganz ordentlich klingt.
Genau da verläuft für mich die Grenze.
Sinnvoll wird KI dann, wenn echte Erfahrung, echte Expertise und ein klares Verständnis für Marke und Zielgruppe schon da sind. Dann kann sie gute Arbeit verstärken. Problematisch wird es dort, wo sie Denken ersetzt, wo sie ungelesen übernommen wird und wo niemand mehr ernsthaft prüft, ob das, was da steht, überhaupt zur Marke, zum Thema und zum Nutzer passt.
Schlechte Inhalte sehen nicht nur billig aus, sie richten auch Schaden an
Das ist ja kein theoretisches Problem.
Man sieht heute auf Produktseiten falsche Angaben, weil blind aus der KI übernommen wurde. Man sieht Kategorieseiten, die sich lesen wie Füllmasse. Man sieht Blogartikel, die semantisch kaum noch zum Unternehmen passen, das sie veröffentlicht. Und man sieht Themen, die nur gespielt werden, weil gerade irgendwo ein Hype entstanden ist, nicht weil sie wirklich zur Marke oder zur eigenen Expertise gehören.
Was dabei verloren geht, ist nicht nur Qualität. Es geht auch die Stimme einer Marke verloren. Und wenn das an genug Stellen passiert, bleibt am Ende nur noch Austauschbarkeit.
Was ich mir stattdessen für SEO & Content wünsche
Ich wünsche mir ehrlich gesagt gar nicht mehr Perfektion. Ich wünsche mir mehr Anspruch.
Weniger Content um des Contents willen.
Weniger Veröffentlichungsdruck ohne Substanz.
Weniger Copy-Paste aus Tools, Prompts und Botstrecken.
Und dafür mehr echte Erfahrung. Mehr Einordnung. Mehr Mut zur eigenen Stimme. Mehr Inhalte, bei denen man merkt, dass da jemand wirklich etwas zu sagen hat und nicht einfach nur Suchvolumen abarbeitet.
Denn genau darum sollte es doch gehen. Dass ein Unternehmen als es selbst erkennbar bleibt. Dass seine Sprache nicht verloren geht. Dass seine Inhalte nicht austauschbar werden. Dass Nutzer merken: Hier hat sich jemand wirklich mit dem Thema befasst.
Die Fragen, die sich Unternehmen und Agenturen stellen sollten
Ich finde, man kann relativ schnell prüfen, ob Inhalte schon in diese falsche Richtung kippen.
Trägt der Text starkes KI-Wording?
Passt er wirklich zu unserer Unternehmens-DNA?
Trifft er unseren Kern?
Steckt darin unsere eigene Erfahrung und Expertise?
Oder erzählen wir am Ende einfach nur neu, was in den ersten zwanzig Suchergebnissen ohnehin schon steht?
Diese Fragen sind unbequem, aber genau deshalb wichtiig.
Mein Fazit
Wir sind nicht austauschbar. Unsere Marken sind es nicht. Unsere Stimmen sind es auch nicht. Dann sollten unsere Inhalte bitte auch nicht so aussehen, als wären sie nur aus einer Keyword-Recherche und einem Botlauf gefallen.
Ich wünsche mir, dass wir als Branche an diesem Punkt wieder verantwortungsvoller werden. Nicht technikfeindlich. Nicht rückwärtsgewandt. Aber sauberer in dem, was wir tun.
KI kann gute SEO-Arbeit verstärken. Aber sie vervielfältigt eben auch SEO-Müll, wenn Anspruch, Erfahrung und Verantwortung fehlen.
Und welche Richtung daraus entsteht, entscheiden am Ende immer noch wir.
